VELUX Glasscheibe ausmessen: So ermitteln Sie alle Maße für den Nachbau beim Glaser
Ihre Dachfensterscheibe ist blind, beschlagen oder gebrochen – und für Ihr Fenstermodell gibt es keine Originalscheibe mehr? Das betrifft vor allem ältere VELUX Dachfenster der Generationen vor ca. 2001 (Größencodes wie 102, 304 oder 308 auf dem Typenschild). Die gute Nachricht: Ein erfahrener Glasereibetrieb kann die Isolierglasscheibe nach Maß nachbauen. Voraussetzung ist, dass Sie alle relevanten Maße und Merkmale korrekt aufnehmen. Diese Anleitung zeigt Schritt für Schritt, wie Sie vorgehen – inklusive der Punkte, die selbst viele Glaser bei Dachfensterscheiben übersehen.
📖 Den anschließenden Einbau der neuen Scheibe zeigt unsere separate Anleitung: VELUX Scheibe wechseln – Verglasung selbst tauschen.
Wann lohnt sich der Nachbau beim Glaser?
Eine Maßanfertigung ist in zwei Fällen sinnvoll:
- VELUX liefert keine Originalscheibe mehr – typisch bei Fenstern der alten Generation (Baujahr vor ca. 2001).
- Die Originalscheibe ist unverhältnismäßig teuer im Vergleich zur Maßanfertigung.
Prüfen Sie vorher die Wirtschaftlichkeit: Bei Fenstern, die älter als 20 Jahre sind, kann ein kompletter Fenstertausch inklusive besserem Dämmwert die sinnvollere Investition sein. Ist der Rahmen jedoch in gutem Zustand, ist der Scheibentausch die deutlich günstigere Lösung.
Werkzeug und Vorbereitung
Sie benötigen:
- Stahlmaßband und Messschieber
- Taschenlampe
- Feuerzeug (für den Beschichtungstest)
- Schraubendreher bzw. Bit-Satz für die Verglasungsleisten
- Schnittschutzhandschuhe und Schutzbrille
- Zettel, Stift und Smartphone für Fotos
Schwenken Sie den Fensterflügel in die Putzstellung oder bauen Sie ihn komplett aus. Am ausgebauten Flügel messen Sie deutlich genauer und sicherer.
Sicherheitshinweis bei gebrochener Scheibe: Kleben Sie die Scheibe vor der Demontage großflächig mit Klebeband ab – das hält Bruchstücke zusammen. Tragen Sie Schnittschutzhandschuhe und Schutzbrille und sichern Sie Bruchstücke sofort. Bei Arbeiten in der Dachschräge fällt Glas unkontrolliert: Räumen Sie den Bereich unterhalb des Fensters frei.
Gewicht beachten: Eine 2-fach-Scheibe in mittlerer Größe wiegt 15 bis 20 kg, eine 3-fach-Verglasung schnell 25 bis 30 kg. Verwenden Sie für Ausbau und Wiedereinbau Saugheber und planen Sie eine zweite Person ein – allein in der Dachschräge ist das nicht sicher zu handhaben.
Wichtig vorab – Typenschild prüfen: Öffnen Sie die Lüftungsklappe oben am Flügel. Dahinter finden Sie das Typenschild mit Fenstertyp (z. B. GGL, GGU, GPL, VL), Größencode und Produktionscode. Fotografieren Sie es vollständig – damit lässt sich später jede Rückfrage klären. Hilfe beim Ablesen: Typenschild finden und richtig ablesen.
Schritt 1: Verglasungsleisten demontieren
Bei Holzfenstern (z. B. GGL) schrauben Sie die Aluminium-Verglasungsleisten ab, bei Kunststofffenstern (GGU) lösen Sie die Klemmleisten bzw. Clips. Messen Sie niemals „durch den Falz" – das führt zu Abweichungen von 5 bis 10 mm, und eine falsch bestellte Isolierglasscheibe ist vom Umtausch ausgeschlossen. Erst mit freiliegender Scheibenkante sind Ihre Maße verlässlich.
Schritt 2: Glasmaß und Eckenform aufnehmen
Messen Sie Breite und Höhe des Glaspakets an der Außenkante der Scheibe – an mindestens zwei Stellen je Richtung, da Scheiben minimal außermittig sitzen können. Notieren Sie die Werte millimetergenau.
Achtung: Entscheidend ist das Glasmaß, nicht das Falzmaß des Rahmens. Ist die Scheibe bereits gebrochen oder entfernt, messen Sie das Falzmaß und ziehen umlaufend 4 bis 5 mm Einstandsluft ab. Lassen Sie dieses Maß in jedem Fall vom Glaser bestätigen.
Ecken prüfen: Manche Modelle – vor allem ältere GGU-Kunststofffenster – haben gerundete Scheibenecken. Falls vorhanden: Messen Sie den Eckradius oder fertigen Sie eine Schablone an (Pappe an die Ecke halten, Kontur übertragen). Alternativ genügt ein Foto mit angelegtem Maßstab. Eine eckige Scheibe passt nicht in einen Falz mit Radius.
Schritt 3: Paketdicke messen
Messen Sie die Gesamtdicke des Glaspakets an der Kante mit dem Messschieber. Typische Werte:
- 4/16/4 mm = 24 mm (2-fach-Verglasung)
- 4/15/4 mm = 23 mm
- 3-fach-Verglasung z. B. 36 mm
Die Paketdicke ist kritisch: Weicht sie ab, lassen sich Verglasungsleisten und Dichtungen nicht mehr korrekt montieren.
Schritt 4: Glasaufbau bestimmen
Anzahl der Scheiben: Halten Sie eine Feuerzeugflamme schräg vor die Scheibe. Jede Glasscheibe erzeugt zwei Spiegelungen der Flamme: 4 Spiegelungen bedeuten 2-fach-Verglasung, 6 Spiegelungen 3-fach.
Wärmeschutzbeschichtung (Low-E): Eine der Spiegelungen erscheint farblich verschoben, meist rötlich oder violett. Notieren Sie die Position der Beschichtung, von außen gezählt (Position 3 = Innenseite der Innenscheibe bei 2-fach-Verglasung). Der Glaser baut den Aufbau exakt so nach.
Glascode prüfen: Auf dem Aluminium-Abstandhalter im Scheibenzwischenraum ist häufig ein Glascode eingeprägt sowie die Breite des Scheibenzwischenraums. Falls lesbar: fotografieren – das erspart Ihnen einen Teil der Messarbeit. Die Einzelglasdicken lassen sich daraus ableiten, alternativ aus Paketdicke minus Scheibenzwischenraum.
ESG/VSG prüfen: Suchen Sie in den Scheibenecken nach einem eingebrannten Stempel (ESG = Einscheibensicherheitsglas, VSG = Verbundsicherheitsglas). Unsere klare Empfehlung: Bestellen Sie die Innenscheibe beim Nachbau immer als VSG – auch wenn das Original nur Floatglas hatte. Bei Dachfenstern verhindert VSG, dass im Bruchfall Glasteile in den Raum fallen. Die Außenscheibe ist idealerweise ESG, das deutlich besser gegen Hagelschlag schützt. Bei neueren Dachfenstern ist beides längst Standard.
Gasfüllung: Die Füllung des Scheibenzwischenraums lässt sich vor Ort nicht messen oder prüfen. Bestellen Sie beim Nachbau standardmäßig eine Argon-Füllung mit – der Aufpreis ist gering, der Dämmwert (Ug-Wert) deutlich besser als bei einer Luftfüllung.
Schritt 5: Kantenausführung und Stufenfalz aufnehmen
Das ist der häufigste Fehlerpunkt beim Nachbau – und gleichzeitig der wichtigste:
Bei vielen VELUX Modellen steht die Außenscheibe an der Unterkante über (sogenannter Stufenfalz bzw. Glasstufe). Diese Stufe sorgt dafür, dass Regenwasser über die Kante abläuft und der untere Anschluss dicht bleibt.
Nehmen Sie auf:
- Überstand in mm: Wie weit steht die Außenscheibe über die Innenscheibe hinaus?
- Betroffene Kante: In der Regel die Unterkante – prüfen Sie alle vier Seiten.
- Sichtbreite des Randverbunds: Abstandhalter plus Versiegelung, damit der sichtbare Rand nach dem Tausch identisch aussieht.
Entscheidend bei Stufenfalz – UV-beständiger Randverbund: An der Glasstufe liegt der Randverbund frei und ist dauerhaft der UV-Strahlung ausgesetzt. Ein Standard-Randverbund (Polysulfid) versagt unter UV-Belastung nach wenigen Jahren – die neue Scheibe wird dann erneut blind. Bestellen Sie beim Glaser ausdrücklich eine UV-beständige Randversiegelung (Silikon) für die freiliegenden Bereiche. Viele Glasereibetriebe haben mit Dachfenster-Stufenglas keine Routine – sprechen Sie diesen Punkt aktiv an, statt ihn vorauszusetzen.
Fertigen Sie eine Skizze mit allen Maßen an und fotografieren Sie die Unterkante der Scheibe im Profil. Klären Sie außerdem vorab, ob der Betrieb Stufenglas überhaupt fertigen kann – nicht jeder Isolierglashersteller bietet das an.
Schritt 6: Dokumentation für den Wiedereinbau
- Fotografieren Sie die Position der Verklotzung (Distanzklötze zwischen Scheibe und Falz), bevor Sie die alte Scheibe entnehmen. Die Klötze müssen beim Wiedereinbau an derselben Stelle sitzen – eine falsche Klotzung verzieht den Flügel.
- Prüfen Sie den Zustand der Dichtungen und Verglasungsleisten. Spröde oder verformte Dichtungen tauschen Sie im selben Arbeitsgang mit – passende Dichtungen finden Sie in unserer Dichtungs-Kategorie.
Checkliste: Diese Angaben braucht der Glaser
- Glasmaß Breite × Höhe (mit Hinweis: Maße sind Fertigmaße, übliche Toleranz ±1 mm)
- Paketdicke gesamt (z. B. 24 mm)
- Glasaufbau (z. B. 4/16/4, Low-E Position 3, Argon)
- Warme Kante ja/nein
- Innenscheibe VSG, Außenscheibe ESG (empfohlen)
- Stufenfalz unten mit X mm Überstand der Außenscheibe
- UV-beständiger Randverbund (Silikon) im Stufenbereich
- Sichtbreite des Randverbunds
- Eckradius, falls vorhanden (Schablone oder Foto mit Maßstab)
- Anlagen: Skizze, Fotos (Typenschild, Glascode, Kantenprofil)
Die drei häufigsten Fehler – und ihre Folgen
- Stufenfalz übersehen: Die neue Scheibe dichtet am unteren Anschluss nicht ab. Folge: Wassereintritt bei Regen.
- Paketdicke geschätzt statt gemessen: Die Verglasungsleisten lassen sich nicht montieren oder pressen die Dichtungen nicht korrekt an.
- Falscher Randverbund bei Stufenglas: Die Scheibe wird nach 3 bis 5 Jahren erneut blind – der Tausch beginnt von vorn.
Alle drei Fehler bedeuten: Die Scheibe ist unbrauchbar – und Isolierglas nach Maß ist eine Sonderanfertigung, die vom Umtausch ausgeschlossen ist. Die zehn Minuten sorgfältiges Messen zahlen sich also unmittelbar aus.
So prüfen Sie, ob es passt
Gleichen Sie vor der Bestellung die Daten Ihres Typenschilds (Fenstertyp, Größencode, Produktionscode) mit dem Angebot des Glasers ab und lassen Sie sich alle Maße schriftlich bestätigen. Bei Unsicherheit zur Kantenausführung senden Sie dem Betrieb Ihre Fotos – ein seriöser Glaser fragt bei Dachfensterscheiben ohnehin gezielt nach Stufenfalz und Randverbund.
📖 Und danach? Sobald die neue Scheibe geliefert ist, führt Sie unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Scheibenwechsel durch den Einbau.
Hinweis: VELUX ist eine eingetragene Marke der VKR Holding A/S. Die Nennung dient ausschließlich der Beschreibung der Kompatibilität bzw. des Verwendungszwecks.