Dachboden zu dunkel? Lichtziegel nachrüsten – Tageslicht ohne Dachfenster (Lichtpfanne, Lichtbiber, Glasziegel)

Der Spitzboden ist stockdunkel, die Garage hat kein Fenster, im Stall findet man tagsüber ohne Taschenlampe nichts – und ein Dachfenster ist für so einen Raum schlicht zu viel Aufwand. Für genau diesen Fall gibt es Lichtziegel: ein durchsichtiger Ziegel, der anstelle eines vorhandenen Dachziegels in die Eindeckung gelegt wird und Tageslicht durch die Dachfläche lässt. Je nach Region und Handwerker heißt dasselbe Bauteil auch Lichtpfanne, Lichtbiber, Glasziegel oder Lichtdachziegel.

Lichtziegel oder Dachfenster – wann was?

Die Entscheidung hängt nicht am Geld allein, sondern daran, was der Raum unter dem Dach ist:

Lichtziegel Dachfenster
Raumnutzung unbeheizt: Spitzboden, Abstellraum, Garage, Scheune, Stall, Carport beheizt und bewohnt: Schlafzimmer, Büro, Bad
Eingriff ins Dach keiner – ein Ziegel raus, Lichtziegel rein Sparren durchtrennen, Wechsel, Eindeckrahmen, Dämmung, Dampfsperre
Lüftung nein, lässt sich nicht öffnen ja
Wärmedämmung keine – in beheizten Räumen bildet sich Kondenswasser an der Unterseite ja, mit gedämmtem Anschluss
Rettungsweg nein ja, in passender Größe
Aufwand 15 Minuten, ein Mann auf dem Dach Dachdecker, in der Regel ein Tag
Kosten ab ca. 85 € je Ziegel vierstellig inklusive Einbau

Die Faustregel: Soll der Raum beheizt oder bewohnt werden, braucht es ein Dachfenster. Ein Lichtziegel ist ein einschaliges Bauteil ohne Dämmwert; über einer warmen Wohnung schwitzt er von innen und tropft. Für alles, was nur hell sein muss, ist er dagegen die vernünftigere Lösung.

Wie viel Licht bringt ein Lichtziegel?

Eine Lichtpfanne im Format der Frankfurter Pfanne hat rund 0,1 m² Fläche. Das reicht, um einen kleinen Spitzboden so weit aufzuhellen, dass man Kisten lesen kann. Für größere Räume rechnet man mit zwei bis drei Lichtpfannen, über die Dachfläche verteilt, statt direkt nebeneinander – so wird das Licht gleichmäßiger. Bei Biberschwanzdeckung ist ein einzelner Ziegel deutlich kleiner; hier setzt man drei bis fünf Lichtbiber, gern versetzt in zwei Reihen.

Wer Nordseite und Südseite zur Wahl hat: Auf der Südseite bringt derselbe Ziegel spürbar mehr Licht, dafür heizt er im Sommer stärker ein.

Welcher Lichtziegel passt auf mein Dach?

Entscheidend ist nicht das Baujahr, sondern das Ziegelmodell. Ein Lichtziegel muss dieselbe Verfalzung haben wie die Ziegel drumherum, sonst schließt die Deckung nicht dicht. So finden Sie das Modell heraus:

  1. Einen Ziegel vom Dach nehmen (am einfachsten am Ortgang oder von innen aus dem Spitzboden, wenn keine Unterspannbahn liegt).
  2. Die Unterseite ansehen: Hersteller und Modell sind dort eingeprägt – zum Beispiel „Braas Frankfurter Pfanne“ oder „Opal“.
  3. Falls nichts lesbar ist: Form vergleichen. Die Frankfurter Pfanne hat zwei flache Wellen und ist der meistverlegte Dachstein in Deutschland; die Harzer Pfanne ist ihr sehr ähnlich, aber mit anderer Verfalzung; der Biber ist ein flacher, unten abgerundeter Ziegel in Doppeldeckung.

Für diese drei Modelle führen wir die Original-Lichtziegel von Braas:

Liegt auf Ihrem Dach ein anderes Modell – Nelskamp, Creaton, Erlus, Jacobi oder ein alter Ziegel ohne Prägung – passen diese Lichtziegel nicht. Schicken Sie uns in dem Fall ein Foto der Dachfläche und der Ziegelunterseite an hassel.gmbh@gmail.com; wir sagen Ihnen, ob es für Ihr Modell einen Lichtziegel gibt.

Glasziegel oder Kunststoff?

Klassische Glasziegel gibt es noch, in der Praxis wird heute überwiegend Kunststoff verlegt – aus drei Gründen: Kunststoff splittert nicht bei Hagel oder wenn jemand drauftritt, er wiegt kaum etwas (wichtig bei alten Dachstühlen mit knapper Reserve) und er vergilbt bei UV-stabilem Material praktisch nicht. Der ehrliche Nachteil: Die Oberfläche ist kratzempfindlicher als Glas. Reinigen nur mit Wasser und weichem Tuch, keine Scheuermittel, kein Hochdruckreiniger aus der Nähe.

Lichtziegel einbauen – Schritt für Schritt

Vorab das Wichtigste: Arbeiten auf dem Dach nur mit Absturzsicherung. Wer sich auf der Dachfläche nicht sicher bewegt, gibt das einzelne Teil dem Dachdecker mit – der ist damit in einer Viertelstunde fertig, und die Anfahrt ist billiger als ein Sturz.

  1. Stelle festlegen. Möglichst nicht in der untersten Reihe (Traufe) und nicht direkt am First, sondern im mittleren Drittel der Dachfläche. Dort ist die Deckung am einfachsten zu öffnen.
  2. Überdeckende Ziegel anheben. Den Ziegel darüber und den links daneben leicht anheben oder seitlich schieben, bis der zu tauschende Ziegel frei liegt.
  3. Alten Ziegel aushängen. Ziegel nach oben schieben, bis die Nase von der Dachlatte frei ist, dann herausnehmen. Ist er mit einer Sturmklammer gesichert, Klammer zuerst lösen.
  4. Lichtziegel einhängen. An gleicher Stelle mit der Nase auf die Latte hängen, Verfalzung links und oben prüfen – der Lichtziegel muss genauso sitzen wie der alte.
  5. Sturmsicher befestigen. Mit dem beiliegenden Befestigungsmaterial (Klammer oder Schrauben) sichern. Ein Lichtziegel ist leichter als ein Betonziegel und würde ohne Sicherung bei Sturm als Erstes abheben.
  6. Überdeckung zurücklegen und von innen prüfen, ob rundum kein Tageslicht durch Fugen fällt, wo es nicht hingehört.

Bei Biberschwanz-Doppeldeckung auf die richtige Reihe achten: Der Lichtbiber ersetzt einen Ziegel der sichtbaren Lage; die darunterliegende Lage bleibt. Sonst liegt der durchsichtige Ziegel unter einem roten und bringt nichts.

Hat das Dach eine Unterspannbahn oder Unterdeckplatten, kommt unten kein Licht an, auch wenn der Lichtziegel sitzt. Dann muss an dieser Stelle die Bahn geöffnet und mit einem Rahmen sauber gefasst werden – das ist Dachdeckerarbeit und lohnt sich nur, wenn der Raum das Licht wirklich braucht.

Was der Lichtziegel nicht kann

  • Er lässt sich nicht öffnen – kein Lüften, kein Rauchabzug, kein Ausstieg.
  • Er dämmt nicht. Über beheizten Räumen tropft Kondenswasser von der Unterseite.
  • Er ist kein Rettungsweg und ersetzt bei ausgebautem Dachgeschoss kein Fenster.

Soll der Raum ausgebaut werden, brauchen Sie Lüftung oder ist es ein Aufenthaltsraum, ist ein Dachfenster die passende Lösung. Was der Einbau bedeutet und welcher Eindeckrahmen zu Ihrem Ziegel passt, steht im Ratgeber Welcher Eindeckrahmen passt zu meinem Dach?. Und wenn beim Öffnen der Deckung ein Ziegel zu Bruch geht: einzelne Dachziegel gibt es bei uns stückweise, ohne Palette.

Häufige Fragen

Brauche ich für einen Lichtziegel eine Baugenehmigung?

Nein. Ein Lichtziegel ist ein Bauteil der Dacheindeckung, kein Fenster; er verändert weder die Dachfläche noch die Konstruktion. Bei denkmalgeschützten Gebäuden lohnt trotzdem eine kurze Rückfrage bei der Denkmalbehörde, weil die Dachansicht betroffen sein kann.

Wie viele Lichtziegel brauche ich für einen Dachboden?

Für einen kleinen Spitzboden reicht meist eine Lichtpfanne. Für einen Dachboden von 20 bis 30 m² Grundfläche zwei bis drei Lichtpfannen, verteilt über die Fläche. Bei Biberschwanzdeckung drei bis fünf Lichtbiber.

Passt ein Braas Lichtziegel auf ein Dach mit Ziegeln eines anderen Herstellers?

In der Regel nicht. Die Verfalzung ist herstellerspezifisch; auch ähnlich aussehende Modelle sind nicht maßgleich. Prüfen Sie die Prägung auf der Ziegelunterseite oder schicken Sie uns ein Foto.

Kann ich einen Lichtziegel über einem ausgebauten Zimmer einsetzen?

Davon raten wir ab. Der Lichtziegel hat keine Dämmung; die warme Raumluft kondensiert an der kalten Unterseite und tropft. Für Wohnräume ist ein Dachfenster mit gedämmtem Anschluss die richtige Lösung.

Wird der Lichtziegel mit der Zeit trüb?

Die Lichtpfannen bestehen aus UV-beständigem Kunststoff, die Lichtbiber aus Acrylglas – beides vergilbt praktisch nicht. Was die Lichtausbeute mit den Jahren mindert, sind Moos und Schmutz auf der Oberfläche; gelegentliches Abwaschen mit Wasser genügt.

Braas ist eine eingetragene Marke der BMI Group. Die Nennung dient der Beschreibung der Originalprodukte. Alle Angaben nach Herstellerinformationen, Stand 2026; verbindlich ist die Prüfung am Objekt.